ZDF-„Zeugen des Jahrhunderts“: Georg Stefan Troller im Gespräch mit Gero von Boehm (FOTO)

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94 Jahre alt ist Georg Stefan Troller, und doch hat ihn seine
journalistische Leidenschaft bis heute nicht verlassen. Als „Zeuge
des Jahrhunderts“ ist der legendäre Autor, Reporter und
Dokumentarfilmer im ZDF am Sonntag, 5. Juni 2016, 0.20 Uhr, im
Gespräch mit dem Publizisten Gero von Boehm. Troller hat sich selbst
einmal als „Menschenfresser“ bezeichnet. Im Laufe der Jahrzehnte hat
er über 2000 Interviews geführt, vier davon in der Reihe „Zeugen des
Jahrhunderts“. Diesmal ist er selbst der Befragte.

Als Sohn eines jüdischen Pelzhändlers 1921 in Wien geboren, war
Troller eine Karriere als Journalist nicht in die Wiege gelegt.
Gerade noch rechtzeitig vor der Deportation durch die
Nationalsozialisten konnten die Trollers ihre Heimat Österreich
verlassen. Aus dem Exil in den USA kehrte Georg Stefan Troller mit 23
Jahren zurück – in amerikanischer Uniform. Er wollte gegen die Nazis
kämpfen, wollte bei der Befreiung Europas dabei sein: „Ich habe den
Krieg geliebt. Es war mein Krieg“, sagt er im Gespräch.

Noch immer fällt es ihm schwer auszusprechen, was er empfand, als
er das KZ Dachau wenige Tage nach der Befreiung besuchte. Hier waren
auch Tausende Juden ermordet worden: „Als amerikanischer Soldat
fotografierte ich die Leichenberge im KZ Dachau. Und ich dachte: Da
läge ich jetzt, nicht identifizierbar, wenn mein Vater mir nicht
geholfen hätte, aus Europa zu fliehen.“

Troller berichtet von vielen Verhören, die er mit deutschen
Kriegsgefangenen und Zivilisten führte, die weder Nazis gewesen sein
wollten noch eingestanden hätten, irgendetwas von den Verbrechen
gewusst zu haben: „Als wäre das Lager Dachau nicht einsichtig gewesen
von allen Seiten. Es wusste doch jeder Bescheid: ‚Lieber Herrgott
mach mich stumm, dass ich nicht nach Dachau kumm'“, zitiert er einen
Spruch aus der Nazizeit.

Ende der 40er Jahre kehrt Troller endgültig nach Europa zurück,
zieht nach Paris. Er ist auf der Suche nach Heimat, nach
Zugehörigkeit. Seine Karriere als Journalist und Dokumentarfilmer für
das deutsche Fernsehen hilft ihm dabei. Seine Sendereihen „Pariser
Journal“ und „Personenbeschreibung“ (ZDF) schreiben
Fernsehgeschichte. Er hat einen ganz eigenen Stil entwickelt, kommt
seinen Interviewpartnern näher als andere Journalisten: „Ich hatte
sie alle vor der Kamera. Von Romy Schneider bis Orson Welles, von
Audrey Hepburn bis Charles Bukowski. Ich fand heraus, dass ein guter
Befrager sein ‚Opfer‘ dazu bringen kann, zu seiner eigenen Wahrheit
vorzustoßen – wenigstens ein Stückchen.“

Von seiner Rolle als Dokumentarfilmer hat sich Georg Stefan
Troller schon vor Jahren verabschiedet. Stattdessen schreibt er
regelmäßig für Zeitschriften wie „Lettre International“ und bringt
fast jedes Jahr ein neues Buch auf den Markt.

Gero von Boehm bittet seinen Gast am Ende des Gesprächs um eine
Bilanz seines Lebens: „Ich habe kein abschließendes Urteil“, sagt der
bald 95-jährige Troller, „ich kann unendlich dankbar sein, dass es
bisher so oft halbwegs geklappt hat – unverdienter Maßen.“

Für akkreditierte Journalisten steht die Sendung im
ZDF-Presseportal zur Verfügung: https://presseportal.zdf.de/

Zur Sendung wird online unter http://jahrhundertzeugen.zdf.de das
gesamte Gespräch zur Verfügung gestellt.

http://jahrhundertzeugen.zdf.de

http://twitter.com/ZDF

Ansprechpartner: Presse-Desk, Telefon: 06131 – 70-12108,
pressedesk@zdf.de

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon:
06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/zeugen

Pressekontakt:
ZDF Presse und Information
Telefon: +49-6131-70-12121

Beitrag von auf 31. Mai 2016. Abgelegt unter Kunst & Kultur, Vermischtes. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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