Zum Welttag der Patientensicherheit am 17. September: Patient:innensicherheit braucht eine neue Fehlerkultur / Fokus Behandlungsfehler e.V. fordert gesetzliche Offenlegungspflicht und Systemwandel

Nach schweren Behandlungsfehlern ist der Weg zu Aufklärung und Entschädigung für Betroffene in Deutschland häufig lang und zermürbend. Auch beteiligte Ärzt:innen und Pflegefachpersonen können als „Second Victims“ psychisch belastet sein. Eine offene Aufarbeitung wäre für beide Seiten wichtig. Doch haftungsrechtliche Interessen, institutionelle Vorgaben und Hierarchien erschweren aus Sicht des Vereins einen offenen Umgang mit Behandlungsfehlern. Hinzu kommt die Sorge der Behandelnden vor beruflichen, haftungs- oder strafrechtlichen Konsequenzen. Fokus Behandlungsfehler e.V. erklärt anlässlich des Welttags der Patient:innensicherheit am 17. September:

„Wir brauchen einen Systemwandel im Umgang mit Behandlungsfehlern, um künftige Patient:innen besser zu schützen. Betroffene brauchen ehrliche Aufklärung und Hilfe. Behandelnde brauchen den Rückhalt, Fehler offen ansprechen zu dürfen“, so die Vorstandsvorsitzende Michelle Bayona. „Ein System, das Betroffene und Behandelnde geradezu in die Auseinandersetzung drängt, vertieft unnötig Gräben. Wir sind überzeugt, dass sich viele der oft jahrelangen Gerichtsverfahren vermeiden ließen.“

Gemeinsam für Patient:innensicherheit – statt gegeneinander vor Gericht

Einen Ausweg aus diesem Spannungsverhältnis sieht der Verein in einer grundsätzlichen gesetzlichen Offenlegungspflicht und einer gerechten, lernorientierten Sicherheitskultur („Just Culture“). Einrichtungen und Behandelnde müssen Betroffene bei konkreten Hinweisen auf Behandlungsfehler unaufgefordert über den Verdacht und mögliche Folgen informieren. Die bisherigen Informationspflichten reichen dafür nicht aus. Just Culture setzt bei unbeabsichtigten Fehlern auf Lernen statt auf Sanktionen und untersucht auch organisatorische Ursachen. Einrichtungen müssen unsichere Abläufe ändern und Beschäftigten geschützte Meldewege bieten.

Zugleich fordert der Verein eine Reform des Arzthaftungsrechts, die offene Aufklärung und zeitnahe, faire Entschädigung erleichtert. Dänemark zeigt einen niedrigschwelligen Weg: Dort können Betroffene über ein gesetzlich geregeltes Entschädigungssystem Ansprüche geltend machen. Geschütztes Lernen bedeutet jedoch keinen Freifahrtschein: Insbesondere bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz müssen Behörden mögliche Straftaten weiterhin aufklären.

Eine konstruktive Melde- und Lernkultur wäre zugleich ein wichtiges Fundament für ein bundesweites Never-Event-Register. Ein solches Register könnte grundlegende Daten zur Aufarbeitung und Prävention klar definierter Ereignisse liefern, die schwere Gesundheitsschäden verursachen können und durch wirksame Sicherheitsvorkehrungen vermeidbar wären. England erfasst und veröffentlicht solche Ereignisse bereits seit Jahren auf nationaler Ebene. In Deutschland hat der Innovationsfonds jüngst drei Projekte zur Entwicklung und Erprobung eines solchen Registers ausgewählt.

Investitionen in Patient:innensicherheit können auch Folgekosten senken

Schwere Behandlungsfehler können die Lebensqualität massiv beeinträchtigen. Aber auch für die Solidargemeinschaft entstehen Kosten durch Folgebehandlungen, Rehabilitation, Pflege oder Arbeitsunfähigkeit. „Patient:innensicherheit sollte als Investition betrachtet werden: Sie kann Leid und weitere Gesundheitsschäden verhindern und stärkt die Menschen, die im Gesundheitswesen Verantwortung tragen“, sagt Bayona. Dafür brauche es sichere Abläufe, ausreichend Personal und eine offene Sicherheitskultur. Auch medizinisches Fachpersonal braucht nach schweren Zwischenfällen Rückhalt. Ausfälle oder beruflicher Rückzug im Kontext schwerer Behandlungsfehler können die angespannte Personalsituation weiter verschärfen – zulasten der Patient:innensicherheit.

Informationen zum Verein, fachliche Einordnungen und Hinweise für Betroffene: www.fokus-behandlungsfehler.de.

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Achtung Redaktionen: Kontakt zum Vorstand: Michelle Bayona, Tel. 0160-95698261, Joachim Greuner, Tel. 0176-32539376, oder Martje Ratzow, Tel. 0176-24014248. E-Mail: info@fokus-behandlungsfehler.de.
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