Brustvergrösserung und Gewebeauffüllungen mit Stammzellen – ohne OP?

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– Aufgrund den in unserem ersten Beitrag aufgeführten Schwierigkeiten und der allerdings gebliebenen Attraktivität des Konzepts der Transplantation bzw. Transposition von Eigenfett zwecks Volumenaufbau wird fleißig geforscht. Hier hebt sich unlängst der Einsatz von „Stammzellen“ ab, die sich bekanntermassen je nach Reifungszustand in die jeweiligen Körperzelllinien verwandeln können. Deren Anwendung verspricht bessere Resultate als die enttäuschenden der klassischen Eigenfettunterspritzung.
Einige Forschergruppen versuchen derzeit, gezielt so genannte Präadipozyten, auch Adipose-derived Regenerative Cells (ADRCs) genannt, zu züchten. Diese scheinen als Vorläuferzellen der eigentlichen Fettgewebszellen, offenbar aufgrund ihrer geringeren Größe und der noch nicht vorhandenen Lipideinschlüsse in der Zelle selbst, den mechanischen Stress und zeitweilige Ischämien im Rahmen des Isolationsprozesses und der Transplantation besser zu überstehen als die fragileren Adipozyten. Diese Ansätze stecken aber noch in den Kinderschuhen und sind aktuell bei weitem noch nicht für eine klinische Anwendung zu empfehlen.
In einer 2009 veröffentlichten Studie wurde gezeigt, dass nach 3 Wochen diese Stammzellen schon nicht mehr nachweisbar waren. Dies soll belegen, dass eine dieser Methode unterstellte, erhöhte Tumorgefährdung somit unwahrscheinlich wird, wirft aber im gleichen Masse die Frage auf, ob sich eine effektive Wirkung in einer solch kurzen Zeit manifestieren kann.
– Das Bodyforming mittels Stammzellen scheint für allerlei Körperregionen geeignet zu sein und macht auch vor Falten nicht Halt. Heißt die Rundumlösung für Verjüngung und Problemzonen demnach bald „Stammzelltherapie“? Aus unserer Sicht wird hier der werbliche Effekt des Begriffs Stammzelle missbraucht und der falsche Eindruck erweckt, den Jungbrunnen gefunden zu haben. Vielleicht können die Adipose-derived Regenerative Cells (ADRCs) irgendwann einmal zur Vergrößerung der Brust oder zur Faltenbehandlung sicher injiziert werden. Die Forschung steckt hier allerdings noch in den Kinderschuhen und eine Therapie wird sicherlich sehr teuer. Das Verfahren ist kostenintensiv, da für die Zellanreicherung ein eigenes Labor nötig ist. Japanische Frauen lassen sich ihren „Stammzellbusen“ bis zu 25.000 Dollar kosten. Die aktuell modernen Verfahren mittels hochwertiger Silikonimplantate sind deutlich günstiger, effektiv, erwiesenermaßen sicher und man muss keine maligne Entartung befürchten. Hier wird eine Produktentwicklung auf dem Rücken der Patienten ausgetragen.
– Erste Anwender auch in Europa gibt es bereits. Bei einer neu beworbenen Technologie, bei der innerhalb von nur einer Stunde Fettstammzellen angereichert werden und anschließend als Mischung mit Eigenfett in betroffene Bereiche der Brust injiziert werden, ließen in den folgenden sechs Monaten Brustgewebe wachsen. Die genaue Funktionsweise ist noch unklar. Auf Langzeitergebnisse muss man nun noch warten. Prof. Raymund E. Horch, Chefarzt der Abteilung für plastische Chirurgie an der Uni-Klinik Erlangen, warnte schon 2004 vor möglichen Spätfolgen solcher Experimente. Bösartige Geschwüre oder Fehlbildungen des Brustgewebes seien dabei nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen. Die Hoffnung, Fettstammzellen zur Brustvergrößerung wieder zu implantieren, sind zwar von mehreren Autoren propagiert worden, scheiterten aber bisher an ungelösten Problemen der Kultivierung von Präadipozyten, die als die Vorstufe der Entwicklung zu Fettzellen gelten.
Beim derzeitigen Stand der Forschung ist die Züchtung von Brustgewebe zum Zwecke der Brustvergrösserung nicht einmal zuverlässig im Tierexperiment gelungen, geschweige denn reproduzierbar.
– Aktuell werden durch sensationsheischende, aber nicht wirklich fundierte Versprechungen oder voreilige Mitteilungen Erwartungen geweckt, die dann im klinischen Alltag noch nicht erfüllt werden können. Manche dieser Mitteilungen haben eher kommerzielle Hintergründe als wissenschaftlich fundierte Fakten. Das schadet der Seriosität vieler ehrlicher Bemühungen in diesem jungen Forschungsgebiet erheblich.

Fazit: Aktuell kann die Eigenfettbehandlung, auch und gerade mittels angereicherter Stammzellen keinesfalls eine Alternative für Frauen sein, die schnell einen sicheren Erfolg mit dem Ziel einer optimal auszusuchenden Formung mit überschaubarem planbarem Kostenrahmen und unbedenklicher Prognose haben wollen. Eine zur Eigenfettbehandlung notwendige Fettabsaugung kann im weiteren in den Händen Unerfahrener schnell schlimme Ergebnisse zur Folge haben, was gerade bei Frauen, die für einen Brustaufbau mittels Eigenfett grundsätzlich infrage kommen (kleiner Busen, meist schlanke Frauen), wahrscheinlicher erscheint. Zentren, die solche hochspeziellen Eingriffe anbieten, sollten ausgewiesene Spezialisten für Fettabsaugung haben, ansonsten sind Probleme vorprogrammiert. Die Methode, körpereigenes Material zur Unterfüllung zu verwenden, indem man es an Stellen wegnimmt, an denen zuviel vorhanden ist, um es an dort einzubringen, wo es wiederum fehlt, ist eine für fast jeden nachvollziehbar attraktive Methode, die jedoch aktuell keinesfalls empfohlen werden kann.

Beitrag von auf 30. April 2010. Abgelegt unter Gesundheit. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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