Grobe Fehler bei Testamenten, die es zu vermeiden gilt!

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Jeder, der sich gegenüber seiner Familie verantwortlich fühlt, sollte frühzeitig das Thema Nachfolge und damit auch das Thema Testament angehen. Dabei werden aber immer wieder grobe Fehler begangen, die dann im Erbfall zu langwierigen Rechtsstreitigkeiten führen können – das muss nicht sein!

Michael Brenner

In vielen Fällen wird der letzte Wille faktisch nicht umgesetzt. Denn aus Unkenntnis der hohen formalen Anforderungen, aber auch um Kosten zu sparen, verzichten viele auf Beratung im Zusammenhang mit der Erstellung ihres Testaments. Letztlich kommt das häufig erheblich teurer, denn zum einen drohen häufig juristische Auseinandersetzungen, zum anderen ist die Nachfolge dann vermutlich nicht steuerlich optimal gestaltet.
Nachfolgend einige Klassiker aus der Rubrik Pleiten, Pech und Pannen:

Verwahrung  des Testaments
In der Praxis wird man zuweilen mit dem Fall konfrontiert, dass jedem in der Familie bekannt ist, dass der Verstorbene  ein Testament erstellt hat, man dieses aber nicht findet, weil er es aus Vorsichtsgründen zu gut versteckt hat. Was nützt aber der best-durchdachte letzte Wille, wenn er nicht bekannt wird. Deshalb sollte das  Testament notariell beurkundet und beim Amtsgericht verwahrt werden oder, falls ein privatschriftliches Testament bevorzugt wird, dieses Dokument hilfsweise beim Anwalt oder Steuerberater Ihres Vertrauens deponiert werden. So vermeidet man auch die Fälle, dass das Testament zwar gefunden wird, weil dies aber nicht im Sinne des Finders verfasst war, dann  „verschwindet“.

Das Berliner Testament  als Vermögensvernichtung und als Fessel
Weit verbreitet bei Ehepaaren ist  das sog. Berliner Testament. Die Ehegatten setzen sich gegenseitig zum Alleinerben ein, d.h. nach dem Tod des zuerst Verstorbenen erhält der überlebende Ehegatte zunächst alles. Erst nach dem Tod des länger lebenden Ehegatten erben die eigenen Kinder. Gerade bei größeren Vermögen ist diese Erbfolge erbschaftsteuerlich nicht optimal, denn es besteht die Gefahr der doppelten Erbschaftsteuerbelastung, zuerst bei der Übertragung des Vermögens auf den länger lebenden Partner und dann auf die Kinder. Außerdem bleiben die persönlichen Freibeträge für Übertragungen des Erstverstorbenen auf die Kinder ungenutzt. Diese steuerlichen Nachteile können durch eine umfassende Nachfolgeberatung reduziert oder vermieden werden. Als Nachteil kann sich auch erweisen, dass der überlebende Ehegatte an das Testament gebunden bleibt; auch hier sollten Öffnungsklauseln dem überlebende Ehegatten einen gewissen Gestaltungsspielraum einräumen.

Gemeinschaftliches Testament
Die Ehegatten errichten in harmonischen Zeiten ein gemeinschaftliches Testament. Nachteil: Ein gemeinschaftliches Testament kann nicht durch einen Einzelnen geändert werden, auch nicht zu Lebzeiten beider Ehegatten. Auch nach dem Tod des Erstverstorbenen kann das gemeinschaftliche Testament nicht geändert werden, es sei denn, es waren vorausschauend Öffnungsklauseln vorgesehen.

Mehrere Testamente sind keine Seltenheit
Der Klassiker für Streitigkeiten ist das Vorliegen von mehreren Testamenten, wobei ggfs. eines ohne Datum versehen ist. Je nach Interessenlage wird in der Folge zwischen den in den Testamenten unterschiedlich bedachten Personen ein „juristischer Kampf“ ausgefochten, welches Testament denn nun das letzte ist. Deshalb: Immer das Testament mit Datum versehen, die älteren Testamente vernichten und in dem aktuellen „alle vorherigen Verfügungen widerrufen“.

War der Erblasser noch geistig zurechnungsfähig?
Wenn man das unangenehme Thema Testament immer wieder hinaus schiebt und es dann erst kurz vor dem Tod verfasst, besteht die große Gefahr, dass dieses im Erbfall von zu „zu kurz gekommenen“ Hinterbliebenen mit dem Argument angezweifelt wird, der Erblasser war gar nicht mehr in der Lage, ein Testament zu verfassen.  Ein langwieriger Rechtsstreit kann drohen, in dem es zuletzt auf die Einschätzung des Neurologen ankommen kann.

Ohne Unterschrift geht gar nichts
Wie die Bezeichnung Testament (testari = bezeugen) bereits andeutet, muss die Unterschrift unter das Testament, um den erforderlichen Formvorschriften zu genügen. Auch dient die Unterschrift dem Schutz des Erblassers, um zu vermeiden, dass sein Testament später  nicht noch um einige „Wünsche“ der Testamentsfinder ergänzt wird. Auch jede spätere Ergänzung sollte immer mit Unterschrift versehen werden.

Das Testament aus dem Computer
Wenn man den Gang zum Notar scheut und privatschriftlich ein Testament verfasst, muss dieses, damit es auch gültig ist, komplett handschriftlich verfasst sein. Ein Testament, das in einer Textverarbeitung erfasst und dann ausgedruckt wurde, gilt trotz der handschriftlichen Unterschrift als nicht gültig. Trotz des für alle sichtbaren letzten Willens des Erblassers gilt die abweichende Nachlassverteilung gem. gesetzlicher Erbfolge. Das kann spätere Familientreffen doch erheblich belasten.

Fazit:
Ein Testament selbst zu verfassen, birgt ein hohes Gefahrenpotential. Deshalb unser Appell an alle, die Verantwortung für ihre Familie empfinden: Gehen Sie frühzeitig die Nachfolge- und Erbschaftsplanung an und holen Sie sich unbedingt Rat ein. Wir stehen Ihnen gerne mit unserer Expertise als Sparringspartner zur Seite. Denn die meisten Fehler lassen sich korrigieren – nicht jedoch ein schlechtes Testament!

FALK GmbH & Co KG
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft
Im Breitspiel 21
69126 Heidelberg
Michael Brenner
michael.brenner@falk-co.de

Beitrag von auf 17. Dezember 2019. Abgelegt unter Senioren. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Antworten geschlossen, Trackback ist möglich.



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