MAISCHBERGER am Mittwoch, 1. Juni 2016, um 22:45 Uhr

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Das Thema:

„Ausländer rein! Retten Einwanderer unseren Arbeitsmarkt?“

Ein zweites deutsches Wirtschaftswunder durch die Flüchtlinge
erhoffte sich Daimler-Chef Dieter Zetzsche im letzten Herbst.
Inzwischen macht sich mancherorts Ernüchterung breit: Gelingt es
Deutschland nicht, die vielen Ankömmlinge auf dem Arbeitsmarkt zu
integrieren? Stehen wir uns dabei selbst im Wege mit unserem
Misstrauen gegen Fremde, obwohl viele Unternehmen händeringend nach
Mitarbeitern suchen? Oder könnten die Migranten zur Belastung der
Sozialsysteme werden, weil die meisten eben keine Ärzte, Ingenieure
oder Facharbeiter sind?

Die Gäste:

Volker Beck, B’90/Grüne (Bundestagsabgeordneter) Jörg Meuthen, AfD
(Bundesvorsitzender) Christian von Stetten, CDU
(Bundestagsabgeordneter) Arthur Mashuryan (Unternehmer) Nicola von
Hollander (Fernsehredakteurin) Beq Zeqiri (abgelehnter Asylbewerber)
Ulrike Herrmann (Wirtschaftsjournalistin)

Volker Beck

Der migrationspolitische Sprecher der Grünen ist überzeugt, dass
Deutschland auch weiterhin eine hohe Zahl von Einwanderern verkraften
kann – Akademiker genauso wie Analphabeten. „Auch denen müssen wir
eine Chance geben und sie fit machen: Deutschunterricht,
Schulabschluss und Vermittlung in Ausbildung. Wir brauchen zum
Beispiel viele Leute in der Pflege, da braucht man keine hohe
Schulbildung“, meint der Bundestagsabgeordnete. Das neue
Integrationsgesetz der Bundesregierung verschärfe dabei aber nur
Probleme, anstatt sie zu lösen.

Jörg Meuthen

„Meine Partei fordert eine kontrollierte Zuwanderung zum Nutzen
der deutschen Gesellschaft“, sagt der baden-württembergische
AfD-Fraktionschef. Vorbild wäre ein Punktesystem wie in Kanada.
„Qualifizierte Migranten mit hoher Integrationsbereitschaft sind
willkommen“, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler. Jörg Meuthen
kritisiert die „unkontrollierte Einwanderungspolitik der
Bundesregierung“, weil es dabei nur Verlierer gäbe: „Auf der einen
Seite die schwer integrierbaren, arbeitslosen Einwanderer und auf der
anderen Seite die deutsche Gesellschaft, deren Sozialsysteme unnötig
belastet werden.“

Christian von Stetten

„Bei der Planung von Integrationsmaßnahmen müssen wir zwischen
anerkannten Asylbewerbern und Bürgerkriegsflüchtlingen unterscheiden.
Die Flüchtlinge finden bei uns nur vorübergehend Schutz und kehren
nach Beendigung des Krieges in ihre Heimatländer zurück“, sagt der
mittelstandspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag. Der
CDU-Politiker fordert „eine Entbürokratisierung der
Arbeitsrechtsvorschriften“. Diese würde die Integration von
Flüchtlingen erleichtern, so Christian von Stetten. Er schlägt zum
Beispiel vor, Flüchtlinge vom Mindestlohn auszunehmen.

Arthur Mashuryan

„Deutschland hat keine Willkommenskultur. Ich habe mich hier noch
nie willkommen gefühlt. Als Flüchtling erlebt man den Erstkontakt mit
Behörden eher als Mensch zweiter Klasse“, sagt der in Armenien
geborene Unternehmer. Als Zwölfjähriger war er mit seiner Familie vor
politischen Unruhen nach Rheinland-Pfalz geflüchtet und integrierte
sich vorbildlich: Abitur, Studium, Einbürgerung. Heute leitet er
mehrere Cafés und eine Konditorei mit zehn Angestellten: „Man leistet
seinen Teil, wird aber nicht anerkannt. Ich habe das Gefühl, die
Deutschen wollen eigentlich nicht, dass man sich hier heimisch
fühlt“, so Arthur Mashuryan.

Nicola von Hollander

Monatelang suchte sie vergeblich einen Mitarbeiter für den Hof
ihrer Familie in Schleswig-Holstein. Dann wollte sie einen
qualifizierten Flüchtling aus dem Kosovo anheuern. „Es ist unmöglich,
deutsche Helfer zu finden, die durchhalten und so schlichte Arbeit
machen wollen“, sagt die Fernsehredakteurin („Zapp“, NDR). Und Beq
Zeqiri dagegen sei jemand, der wirklich anpacken wollte. Nicola von
Hollander bietet dem gelernten Automechaniker einen Arbeitsvertrag
an. Doch die deutschen Behörden verhindern, dass er den Job annehmen
kann, und schieben ihn im Januar ab. Seitdem versucht Nicola von
Hollander, ihm ein deutsches Arbeitsvisum zu organisieren.

Beq Zeqiri

Der frühere Kriegsflüchtling war im Dezember 2015 zu Gast bei
„maischberger“ und berichtete von der drohenden Abschiebung in seine
Heimat. „Kosovo ist voller Korruption und es gibt keine Arbeit. Ich
will nicht zurück. Ich möchte in Deutschland arbeiten. Ich kann
sofort jede Arbeit machen.“ Obwohl der 46-Jährige sein Versprechen
wahr machen wollte und bei Nicola von Hollander sofort mit einer
Vollzeitstelle hätte anfangen können, wurde er im Januar abgeschoben.
Wie erwartet findet der Familienvater im Kosovo keine Arbeit und
sieht dort keine Zukunft für sich. „Ich leihe mir Geld von Bekannten
und von meinem Bruder, um zu überleben“, erzählt er. Ihm bleibt nur
noch die Hoffnung auf das Arbeitsvisum.

Ulrike Herrmann

Die Wirtschaftskorrespondentin der „taz“ glaubt, dass Deutschland
noch mehr Flüchtlinge aufnehmen kann, ohne wirtschaftlich darunter zu
leiden: „Das zeigt der Mauerfall. Die Wiedervereinigung hat die
Deutschen zwei Billionen Euro gekostet, aber die Wirtschaft ist dabei
nicht kollabiert.“ Im Gegenteil, Flüchtlinge bedeuteten auch
Einnahmen für das Land: „Mit der steigenden Zahl der Konsumenten und
Arbeitnehmer kommt auch ein höheres Wachstum. Wir brauchen alle
Zuwanderer, egal mit welcher Qualifikation“, meint die Publizistin.

„Maischberger“ ist eine Gemeinschaftsproduktion der ARD,
hergestellt vom WDR in Zusammenarbeit mit der Vincent TV GmbH.

Im Internet unter www.DasErste.de/maischberger

Redaktion: Elke Maar (WDR)

Pressekontakt:
Agnes Toellner, Presse und Information Das Erste,
Tel: 089/5900 23876, E-Mail: agnes.toellner@DasErste.de
Felix Neunzerling, ZOOM MEDIENFABRIK GmbH,
Tel.: 030/3150 6868, E-Mail: FN@zoommedienfabrik.de
Fotos über www.ard-foto.de

Beitrag von auf 31. Mai 2016. Abgelegt unter Kunst & Kultur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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